Jüdische Gemeinden

Jüdische Gemeinden



Jüdische Gemeinden in Deutschland sind traditionell Einheitsgemeinden. Das heißt, in einer Gemeinde vereinen sich orthodoxe, konserative und liberale Juden. Der Gottesdienst findet in den Synagogen dieser Einheitsgemeinden zumeist in orthodoxer Weise statt; das heißt, Frauen und Männer sitzen getrennt und nur Männer werden zu Torah aufgerufen. Diese Regelung wird in den meisten Einheitsgemeinden zunehmend hinterfragt.

In einigen wenigen Städten werden unter dem Dach der Einheitsgemeinde in unterschiedlichen Räumlichkeiten sowohl egalitäre als auch orthodoxe Gottesdienste gefeiert. In einer zunehmenden Anzahl an Städten gibt es mehrere jüdische Gemeinden, da Menschen, die mit dem orthodoxen Gottesdienstablauf unzufrieden sind, eine eigenständige liberale jüdische Gemeinden gründen. Liberale jüdische Gemeinden stehen in den meisten Bundesländern vor der Herausforderung, einen Teil der staatlichen Unterstützungsgelder zu erhalten, die bislang überwiegend an die Einheitsgemeinden ausgezahlt werden.

Jüdische Gemeinden - auf dem Weg von der Einheits- zur Richtungsgemeinde ?



Gottesdienste finden in jüdischen Gemeinden an jüdischen Feiertagen sowie am Schabbat statt. Da der Schabbat, etwas vereinfacht formuliert, von Freitag Dunkelwerden bis Samstag Dunkelsein dauert, sind die Gottesdienste am Freitag Abend sowie am Samstag Vormittag. Einen nachmittäglichen Gottesdienst halten nur sehr wenige Gemeinden. Nicht alle jüdischen Gemeinden haben die personellen Kapazitäten, jeden Schabbat einen Gottesdienst abzuhaten, so dass an vielen Orten dieser nur alle 14 Tage durchgeführt wird.

Eine weitere wichtige Aufgabe jüdischer Gemeinden ist die Unterweisung ihrer Mitglieder. Nicht nur für Kinder wird Religionsunterricht angeboten. sondern auch für Erwachsene. Viele Einwanderer aus den Staaten der vormaligen Sowjetunion haben nur geringen Kenntnisse vom Judentum; ebenso werden Kandidaten für einen Eintrit ins Judentum unterrichtet.



Viele jüdische Gemeinden haben keinen eigenen Rabbiner. Sie teilen mit weiteren Gemeinden einen oder sprechen bei Bedarf einen Vorsitzenden der beiden Rabbinerkonferenzen (es gibt die Orthodoxe und die Allgemeine Rabbinerkonferenz) an. Wesentlich für die Gestaltung der Gottesdienste ist der Kantor. Zwar darf auch jedes dazu fähige Gemeindemitglied einen Gottesdienst leiten; jedoch bedarf dies einer aufwändigen Vorbereitung, so dass fast nur ein extra dafür angestellter Vorbeter diese Funktion erfüllen kann. Ein weiterer wichtiger Posten ist der des Religionslehrers, wobei einige jüdische Gemeinden das Glück haben, einen Kantor gefunden zu haben, der zugleich als Religionslehrer ausgebildet ist und beide Aufgaben übernimmt.

Jüdische Gemeinden sind in der Regel offen für nicht-jüdische Besucher. Leider machen notwendige Sicherheitsbestimmungen fast überall eine vorherige Teminabsprache, auch für einen Gottesdienstbesuch, erforderlich.